Nachrichten-Archiv


IG BAU klagt über Langenscheidt

Bauunternehmen sieht verbesserte Auftragslage


Bielefeld, 04.06.2015
Die Gewerkschaft IG BAU übt Kritik an einem der größten Bauunternehmen der Region: „Die Werner Langenscheidt GmbH & Co KG hat Beschäftigten seit drei Monaten keine Löhne mehr gezahlt.“ Geschäftsführer Klaus Langenscheidt betont dagegen, dass das Unternehmen in der Lage sei, Liquidität zu beschaffen und Probleme zu lösen.

Das renommierte Unternehmen ist weit über OWL hinaus tätig, es hat für zahlreiche bekannte Firmen in der Region gebaut. Für den DSC Arminia errichtete die Firma die neue Tribüne auf der Alm, für die Stadt Bielefeld unter anderem das 2014 fertiggestellte Technische Rathaus.

„Seit zwei Jahren gibt es schleppende Lohnzahlungen“, sagt IG-BAU-Regionalleiter Bodo Matthey. Etliche der 94 Beschäftigten hätten gekündigt, um nun Geld vom Arbeitsamt zu erhalten. Nach Firmenangaben werden noch 65 Mitarbeiter beschäftigt.

Im letzten Jahr habe die IG BAU über einen Sanierungstarifvertrag mit Lohnabsenkungen und Aussetzung des Weihnachtsgeldes verhandeln wollen, so Matthey. Die Unternehmensführung sei darauf aber nicht eingegangen.

Es laufe ein Sanierungsprogramm.

Schon vor fünf Jahren habe es wirtschaftliche Schwierigkeiten gegeben, berichtet Klaus Langenscheidt. Man hätte damals Insolvenz anmelden können, doch er habe sich dafür entschieden, das Unternehmen nicht aufzugeben und die Leute nicht hängenzulassen. Es laufe ein Sanierungsprogramm.

„Durch Immobilienverkäufe haben wir in der Vergangenheit Probleme im Unternehmen gelöst und werden das auch in Zukunft versuchen“, sagt Langenscheidt. Man werde von der Hausbank unterstützt.Die Vorgehensweise der IG sei unverständlich und für das Unternehmen und die Beschäftigten nicht förderlich.

„Der geringe Auftragsbestand im Jahr 2014 und Anfang 2015 hat sich inzwischen erheblich verbessert, insbesondere in den letzten vier Wochen“, betont Langenscheidt. „Wir sehen positiv in die Zukunft, so dass unser jetziger Personalbestand erhalten bleibt. Wir haben Aufträge.“

Billige Konkurrenz aus dem Ausland

Kenner der Branche rechnen das Unternehmen zu den Leuchttürmen in OWL. Langenscheidt gilt als „sozial eingestellt“. Bei Großaufträgen, vor allem solchen, denen europaweite Ausschreibungen vorangehen, hätten hiesige Firmen aber vermehrt mit Konkurrenz zu tun, die auf billige Subunternehmer aus dem EU-Ausland zurückgreifen.

Zudem drohe eine Verschärfung der Situation. „Wir befürchten, dass sich inländische Betriebe mit eigenem Personalstamm im Wettbewerb mit oft scheinselbstständigen Subunternehmern immer schwerer behaupten können, wenn nach den Plänen der EU-Kommission Ein-Mann-Firmen mit beschränkter Haftung und ohne Kapital online gegründet werden können“, sagt Alexander Kostka vom Bauverband Westfalen. Die Kommission hebele damit die sozialen Sicherungssysteme aus, das Tariftreuegesetz laufe dabei allerdings ins Leere.

Langenscheidt gehört zu den Wirtschaftswunder-Unternehmen. Direkt nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft hatte der damals 34-jährige Bauingenieur Werner Langenscheidt mit einer Schubkarre und einer Schaufel als Ausstattung eine Firma gegründet, die mit dem Wiederaufbau von Häusern und dem Bau neuer Wohnungen rasch wuchs. Nach der Wiedervereinigung stieg die Mitarbeiterzahl zeitweise auf über 500.

Copyright © Neue Westfälische 2015