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Zahl der Berufspendler nach Bielefeld um 27 Prozent gestiegen

IG BAU fordert mehr bezahlbaren Wohnraum in Großstädten


Bielefeld, 09.05.2017
Immer mehr Pendler: Zuletzt pendelten 43 Prozent aller Berufstätigen in Bielefeld zum Arbeiten in die Stadt – 27 Prozent mehr als noch im Jahr 2000. Das hat die IG Bauen-Agrar-Umwelt mitgeteilt. Die IG BAU Ostwestfalen-Lippe beruft sich hierbei auf eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Danach zählt Bielefeld rund 61.600 sogenannte Einpendler.

Die Gewerkschaft nennt den Trend „alarmierend“. Immer mehr Menschen müssten immer weitere Strecken zur Arbeit zurücklegen – und verbrächten immer mehr
Lebenszeit im Stau, kritisiert Bezirkschefin Sabine Katzsche-Döring. Dafür sei
maßgeblich auch eine verfehlte Wohnungsbaupolitik in den Ballungsgebieten
verantwortlich.

„Seit Jahren hält das Angebot bezahlbarer Wohnungen nicht mit dem Bedarf Schritt.
Wir haben in Bielefeld eine gute Entwicklung bei den Arbeitsplätzen, aber für die
Menschen wird es immer schwieriger, sich dort auch eine Wohnung zu leisten“, sagt Katzsche-Döring. Strecken von über 50 Kilometern bis zum Betrieb seien mittlerweile gang und gäbe. Dies belaste nicht nur die Umwelt, sondern auch die Nerven und die Gesundheit der Betroffenen.


Die IG BAU fordert ein Umdenken in der Wohnungspolitik. „Die öffentliche Hand muss viel mehr als bisher investieren, um bezahlbaren Wohnraum in den Metropolen und Ballungsräumen zu schaffen“, betont Katzsche-Döring. Es würden mehr Sozialwohnungen und mehr bezahlbare Mietwohnungen gebraucht. Dafür müsse es eine deutlich bessere Förderung geben – etwa durch höhere steuerliche Abschreibungen und gezielte KfW-Programme. Durch solche Anreize für das Bauen im bezahlbaren Segment ließe sich ein Großteil der fehlenden Wohnungen errichten.

Um die Berufspendler in Bielefeld zu entlasten, müsse mittelfristig jedoch auch die
Verkehrsinfrastruktur ausgebaut werden, fordert Katzsche-Döring. „Wir brauchen
bessere Schienennetze und mehr Radwege. Aber auch bei Straßen und Brücken ist der Nachholbedarf groß.“

Die Entwicklung in der Stadt ist nach Angaben des BBSR Teil eines bundesweiten
Trends: Im Jahr 2015 pendelten 60 Prozent aller Beschäftigten zum Arbeitsplatz.
Durchschnittlich legten sie dabei 16,8 Kilometer zurück. 15 Jahre zuvor lag die
Pendlerquote in Deutschland noch bei 53 Prozent.