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IG BAU will Meisterbrief im Bielefelder Handwerk schützen

Handwerkskammer: 52 Prozent mehr Fliesenleger-Betriebe in zehn Jahren


Bielefeld, 05.09.2017
Qualität im Handwerk sichern: Ein „klares Bekenntnis zum Meisterbrief“ fordert die IBauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) von den Bundestagskandidaten in Bielefeld. Hintergrund sind Pläne der EU-Kommission: Sie will die Zugangsvoraussetzungen in Handwerksberufen europaweit angleichen. Darunter würden Qualität und Ausbildung leiden, befürchtet IG BAU-Bezirksvorsitzende Sabine Katzsche-Döring. Meisterbetriebe in der Stadt wären besonders betroffen.

„Wohin der Abbau von Standards führen kann, zeigt sich im Fliesenlegerhandwerk“, so Katzsche-Döring. Mit der Novelle der Handwerksordnung im Jahr 2004 wurde hier die Meisterpflicht abgeschafft. Allein seit 2006 ist die Zahl der Fliesenleger-Betriebe im Bereich der Handwerkskammer Bielefeld von 834 auf 1.270 im letzten Jahr angestiegen – ein Zuwachs von 52 Prozent. „Immer mehr Ein-Mann-Betriebe buhlen um Aufträge. Qualität und
Ausbildung bleiben aber oft auf der Strecke“, kritisiert die Gewerkschafterin.

Sollte der Trend die ganze Baubranche erfassen, drohe eine weitere Verschärfung des Fachkräftemangels. Denn die Handwerksmeister seien die tragende Säule der
Berufsausbildung. Neue Zahlen der Handwerkskammer Bielefeld nennt Katzsche-Döring deshalb „beunruhigend“: Lediglich 86 bestandene Meisterprüfungen im Bau- und Ausbaugewerbe zählte die Kammer im vergangenen Jahr. Der Lehrlingsbestand in der Branche ging im Zehn-Jahres-Vergleich um 29 Prozent auf zuletzt 1.503 Azubis zurück.


Die IG BAU ruft die heimischen Bundestagskandidaten auf, sich für den Erhalt der
Meisterpflicht im Handwerk einzusetzen. Bei den Fliesenlegern müsse sie dringend wieder eingeführt werden, so die Gewerkschaft.