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Frauen in Bielefeld besonders stark von Folgen der Pandemie betroffen

Frauentag am 8. März | IG BAU kritisiert „Karrierefalle Minijob“

geb-reinigerin
04.03.2021
Presse

Sie kümmern sich stärker um Haushalt und Kinder, haben niedrigere Einkommen und
müssen häufiger um ihren Job fürchten: Anlässlich des Internationalen Frauentags am
8. März hat die Gewerkschaft IG BAU vor einem Rückschritt bei der Gleichberechtigung in
Folge der Corona-Pandemie in Bielefeld gewarnt. „Insbesondere Minijobs werden in der
Krise zunehmend zur Karrierefalle“, kritisiert Bezirksvorsitzende Sabine Katzsche-Döring.
Nach Angaben der Arbeitsagentur sind aktuell 57 Prozent der insgesamt rund
37.000 geringfügig entlohnten Arbeitsverhältnisse in Bielefeld in Frauenhand. In der
Gebäudereinigung liegt der Frauenanteil bei den 450-Euro-Stellen sogar bei 71 Prozent.

„Geringfügig Beschäftigte gehen nicht nur beim Kurzarbeitergeld leer aus. Sie sind auch
häufiger von Entlassungen betroffen“, so Katzsche-Döring. Die IG BAU plädiert dafür, die
Minijobs in der jetzigen Form abzuschaffen und sozialversicherungspflichtig zu machen.
Eine Anhebung der Verdienstgrenze auf 600 Euro, wie sie einige Arbeitgeberverbände
fordern, liefe hingegen auf einen Ausbau prekärer Arbeitsverhältnisse hinaus.

Zudem stehe das Ehegatten-Splitting einer echten Gleichberechtigung am Arbeitsmarkt im
Weg. „Durch hohe Abzüge in der Steuerklasse 5 bleibt vielen Frauen nur wenig vom
Bruttoverdienst. Das führt auch zu geringen Arbeitslosenansprüchen und Einbußen beim
Elterngeld“, kritisiert Katzsche-Döring. Die Politik müsse das Thema in diesem Wahljahr
anpacken und eine Reform der Einkommenssteuer voranbringen.

Die IG BAU Ostwestfalen-Lippe verweist zugleich auf die gestiegene Belastung von
Frauen in der Pandemie. „In Zeiten geschlossener Kitas und Schulen bleibt die
Kinderbetreuung nach wie vor meist an den Frauen hängen. Hinzu kommen die Arbeit im
Haushalt und die Pflege von Angehörigen“, unterstreicht Katzsche-Döring. Neben
besseren politischen Rahmenbedingungen sei hier auch ein gesellschaftliches Umdenken
nötig. „Männer, die beruflich etwas zurücktreten, können der Partnerin helfen, den
nächsten Karriereschritt zu gehen und Lasten in der Familie fairer zu verteilen.“

Nach einer repräsentativen Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung ist die
durchschnittliche Erwerbsarbeitszeit von Frauen im Zuge der Corona-Krise stärker
gesunken als die von Männern. Vor Ausbruch der Pandemie arbeiteten Frauen demnach
im Durchschnitt fünf Stunden pro Woche weniger als Männer in einem bezahlten Job. Im
Herbst 2020 betrug die Differenz bei Erwerbstätigen mit betreuungsbedürftigen Kindern elf
Stunden pro Woche. Zwei Drittel der befragten berufstätigen Frauen mit Kindern gab an,
in der Partnerschaft den größeren Teil der Kinderbetreuung zu übernehmen. Sieben
Prozent sahen die Hauptverantwortung bei ihrem Partner, 27 Prozent sprachen von einer
Gleichverteilung der Sorgearbeit.